Klassenprojekte
Projekt der Klassen 7c und 8c des Jahrganges 2005/2006

 

betreuender Lehrer: Hans-Peter Krafft




Die Klassen haben die riesige Betonwand im Öko-Garten künstlerisch neu gestaltet.

Für dieses Projekt sind Materialkosten in Höhe von 1.983 € angefallen. An Spenden sind 1.333 € zusammengekommen. Der Förderverein hat den Restbetrag in Höhe von 650 € bezuschusst.






Hinter der Jerg-Ratgeb-Realschule befindet sich seit einiger Zeit ein Ökogarten, verwaltet von den Schülern der Sportklasse 7c. Einen Haken hat die schöne Gartenidylle jedoch: Die grauen Betonwände ringsum sind alles andere als schön anzuschauen. Um das zu ändern, bemalen die Sportklässler die Wände mit bunten Motiven. Ob Schüler, Eltern, Lehrer oder Ehemalige: Alle helfen tatkräftig mit.

Maike Löffelhardt kann nicht mehr warten: „Mich juckt's in den Fingern, ich fang jetzt an", verkündet sie, schnappt sich Farben und Pinsel, klettert flugs auf das Gerüst und beginnt den grauen Beton mit einem bunten Motiv zu bemalen. Eine goldgelbe Mohnblume soll es werden. Die 31-jährige Erzieherin ist wie ihre Zwillingsschwester Anke eine ehemalige Schülerin der Jerg-Ratgeb-Realschule. Beide wurden damals unterrichtet von Kunstlehrer Hans-Peter Krafft. Eine tiefe Freundschaft hat sich zu ihrem Lehrer entwickelt, und das ist bis heute so geblieben: Ehrensache also, dass die künstlerisch begabten Zwillinge mithelfen, wenn es heißt, den drögen Mauern Leben einzuhauchen.

Die hässlichen grauen Wände passten so gar nicht zu dem schönen Garten. Es wurde Zeit, dass etwas gemacht wird. Jetzt erstrahlen sie in neuem Glanz: Die bunten Wandmalereien ergänzen die Gartenatmosphäre stimmungsvoll. Mannshohe Blumen und saftiges Gemüse schmücken nun die Wände. Die Tomate ist das Logo des Ökogartens. Klar, dass auch sie nicht fehlen darf.

Viel haben die Schüler der Sportklasse 7c selbst gemalt, wie zum Beispiel die beiden lebhaften Streif- und Karomuster. Um den Werken den letzten Schliff zu verleihen, hat zum Schluss noch ein Profi den Pinsel angesetzt: Aus der Feder von Kunstlehrer Hans-Peter Krafft stammen die Konturen, welche das Bild plastischer erscheinen lassen.

Die Eltern und Geschwister der Schüler haben sich ebenfalls nicht lumpen lassen. Eine Collage mit allerlei frischem Gemüse ist das Werk einer künstlerisch begabten Mutter. Die Zehntklässlerin Judith Stahl, deren Geschwister die Sportklasse besuchen, hat ein Gartenmotiv und Comic-Stil entworfen: Eine fliegende Tomate gießt glückliche Blumen.

Bevor die heitere Pinselei losgehen konnte, mussten die verdreckten Wände erst einmal mit einem Hockdruckreiniger gründlich abgespritzt werden. Das Vorstreichen haben die Kinder selbst übernommen. Einen ganzen Tag lang haben sie von morgens bis abends eifrig die Grundierung aufgetragen. Und das gleich zweimal. Zuvor musste jedoch noch ein Gerüst angeschafft werden. Denn die Betonplatten sind hoch und die Schüler klein.

Gefunden wurde das Gerüst bei einer Herrenberger Malerwerkstatt. Zu vergünstigten Preisen hat diese es aufgebaut und wird es den Schülern so lange überlassen, wie es gebraucht wird. Mit all den Farben und all der Ausrüstung ist die Malaktion ein teurer Spaß. Großzügige Spenden von Familien, Freunden und Bekannten der Schüler haben jedoch dafür gesorgt, dass die Kosten von etwas mehr als 1 000 Euro wieder hereingekommen sind.

Für Anke Löffelhardt ist die Malerei Entspannung pur. „Da oben auf dem Gerüst kann man mal abschalten, zur Ruhe kommen", erklärt die gelernte Grafikdesignerin. Eine beruhigende Wirkung erhofft man sich von den Gemälden. Vom Entwurf bis zum fertigen, 2,5 auf 2,5 Meter großen Wandgemälde ist es ein weiter Weg, weiß Kunstlehrer Hans-Peter Krafft. „Die kleine Vorlage vom Papier auf diese Größe zu übertragen ist nicht leicht", erläutert er. „Aber so entsteht immer etwas Neues und Unvorhergesehenes."

 

Mit Kreide werden die Motive auf dem grauen Beton vorgezeichnet. Die Vorlagen stammen entweder aus der Feder der Schüler oder sie sind von Postkarten übernommen. Eines ist sogar dem Stil Andy Warhols nachgeahmt. Verschiedene Techniken können dann beim Malen zum Einsatz kommen, erklärt Hans-Peter Krafft „Es ist für jeden etwas dabei, einfache Malerei oder auch Schwierigeres." So können auch Kinder, die sonst selten einen Pinsel in der Hand haben, schöne Bilder auf die Wände zaubern.

Die Schüler sind stolz auf ihre Leistung. In einer kleinen Ecke wollen sie ganz unauffällig und bescheiden ihre Namen verewigen. „Die Kinder identifizieren sich sehr mit dem Projekt", erzählt ihre Klassenlehrerin. Nur eines trübt die Freude am Malen ein wenig: Die Schüler sprühen nur so vor Ideen - doch es gibt nur so wenig Platz, um sie zu verwirklichen.


(Hans-Peter Krafft)