Klassenprojekte

Jugendliche bauen Regale und Unterbau selber

 

von Thomas Morawitzky, Gäubote Herrenberg, 15. März 2008



Für den Gärtnereibetrieb der Schule langen die „Öko-Kids" der Herrenberger Jerg-Ratgeb-Realschule und ihre Eltern ordentlich hin: Die jungen „Heim(at)werker" bauen ein neues Gerätehaus.

GB-Foto: Bäuerle

Schubkarre um Schubkarre: Hier wird fest geschafft.


Das alte Gerätehaus drückt sich bescheiden an die Wand, das neue Gerätehaus steht als Rohbau, frei auf der Fläche. Der Boden des neuen Hauses wurde ausgehoben und aufgefüllt, Erde und Kies überall, auch auf dem Weg, der hinführt zu den beiden Holzhäusern, die hinter der Herenberger Jerg-Ratgeb-Schule stehen. Hier wurde gearbeitet, das sieht man, und hier wird auch noch weiterhin gearbeitet, denn fertig ist das Haus noch lange nicht. Schüler und Eltern packen mit an, wenn es darum geht, den neuen Geräteschuppen für die Schulfirma der Jerg-Ratgeb-Schule aufzurichten.

Die „Ökokids" sind die Schulfirma der Jerg-Ratgeb-Schule, gestartet vor mittlerweile sechs Jahren, ein WVR-Projekt, das heißt: ein Projekt im Rahmen eines Unterrichtsfaches, bei dem schwerpunktmäßig Arbeitssituationen der freien Wirtschaft simuliert werden. Zahlreiche Schulen in Baden-Württemberg haben Schulfirmen gegründet, die wirtschaften, verwalten, produzieren. In der Jerg-Ratgeb-Realschu¬le ist es ein kleiner Gärtnereibetrieb, dort werden Salate und Kohlrabi angebaut - allein etwa 1 400 Salate wachsen dort Jahr für Jahr. Wenn in diesem die Osterferien erst einmal vorüber sind, ist es an der Zeit, die neuen Setzlinge auszubringen, die die „Ökokids" von ihrem Kooperationspartner, der Dorfgemeinschaft Tennental, erhalten. Noch vor den Ferien wird die Gärtnerklasse dazu nach Deckenpfronn fahren - dort erhält sie auch ihre Einweisung in die Gärtnerei. Schließlich wechselt die Klasse, die die Schulfirma betreibt, von Jahr zu Jahr. Dazwischen werden die Felder des Vorjahres umgegraben - seit Jahren vom Vater von Jens und Anja Vetter, der einen kleinen Traktor besitzt, und der diese Arbeit übernimmt, obwohl seine Kinder die Gärtnerklasse längst schon hinter sich haben.

Nach den Osterferien werden die Schü¬ler vor allem mit ihren Feldern zu tun haben; an einem weiteren Arbeitseinsatz werden vor allem die Eltern beteiligt sein. Die waren aber natürlich auch schon dabei, als neulich erst einmal richtig geschafft wurde, am Gerätehaus. 31 Schüler, sieben Eltern und zwei Lehrer packten an. Meisterleistungen vollbrachten vor allem die Jungs der Klasse: „Bei den kleineren Jungs dachte man schon, das Kind fliegt mit dem Arbeitsgerät davon", erzählt die Lehrerin. „Das war aber nicht so, die Kleinen haben gezeigt, dass sie die Sache fest im Griff haben."

Sie mussten eine rund 50 Zentimeter tiefe Baugrube ausheben, die auch noch, der leichten Steigung des Geländes zum Trotz, eben verlaufen sollte. „Es war keine leichte Arbeit, die Erde war noch fast gefroren." Die Mädchen waren es, die dann den Mineralbeton herbeikarrten, mit dem die Grube aufgefüllt wurde. Wertvolle Arbeit beim Bau der Hütte haben die Profis der Deckenpfronner Zimmerei Riebe geleistet, die das hölzerne Gerüst des Hauses aufgestellt haben. Die Firma wird dem Haus auch seine Wände und Fenster geben und ist somit für den ganzen Holzbau am Gerätehaus zuständig - nur die Inneneinrichtung wollen die Schüler selbst bauen. Dabei trifft es sich gut, das Karlheinz Bethke Technik unterrichtet - unter seiner Regie werden die Regale für all die Hacken entstehen. Und die Eltern betonierten die Pfosten des Häuschens in den Boden und-verlegten Randsteinplatten.

Über 40 Schiller, Eltern, Lehrer packten am vergangenen Samstag zwischen 9.30 Uhr und 12.30 Uhr kräftig an - und eine weitere derartige Aktion wird nochmals folgen. Ende April spätestens soll das Häuschen dann fertig sein, gerade rechtzeitig, bevor die wichtigste Arbeit im Garten beginnt. Damit die gelingt, muss Ordnung im Gerätearsenal herrschen: „Das neue Haus ist zum Aufbewahren von Hacken, Spaten, Gießkannen da. Wir haben Schubkarren und auch eine Gartenfräse", erklärt Karlheinz Bethke. Kein Wunder, dass der alte Schuppen, der der Schule einst von der Großmutter eines Schülers überlassen worden war, so langsam zu klein wurde, für all das Besteck, das der Fleiß der gärtnernden Schüler benötigt. Als, wiederum, wie es sich für echte Heim(at)werker gehört: In die Hände gespuckt und an die Arbeit. Fertig ist das neue Gerätehaus noch lange nicht.

(Artikel erschienen am 15.02.2008 im Gäubote Herrenberg. Wir danken der Redaktion des Gäubote für die freundliche Genehmigung des Nachdrucks. Siehe auch www.gaeubote.de)

Der Förderverein beteiligt sich an den Materialkosten für den Geräteschuppen mit ca. 3.000,- Euro.