
Nach einer Einführung dürfen sich Schüler in dem Discover Industrie Truck an ein eigenes Projekt setzen. GB-Foto: Holom
Auf dem Schulhof der Jerg-Ratgeb-Realschule in Herrenberg parkt ein riesiger Lkw. Der Koloss ist mit einem zweistöckigen Container-Konstrukt beladen und sieht schon von außen ziemlich eindrucksvoll aus. Doch das ist kein Vergleich zu seinem Inneren, das mit mehreren Bildschirmen ausgestattet ist. Hinter einer Plexiglasscheibe befindet sich ein kleines Fließband, auf dem man Dosen befüllen und beschriften kann, hinter einer weiteren Scheibe ist ein Roboterarm zu sehen. Mit den richtigen Koordinaten kann man diesen zu vorgegebenen Markierungen bewegen. „Das ist angewandte Mathematik", erklärt Kathrin Graw, die den Discover Industrie Truck am gestrigen Montag, 26. Januar, zusammen mit Coach Marco Umstätter betreut.
Der Discover Industrie Truck ist ein Projekt des baden-württembergischen Bildungsnetzwerks „Coaching4Future". Jedes Jahr tourt der Lkw durch das ganze Bundesland und macht an verschiedenen Schulen Halt. Ziel ist es, Schülern zu zeigen, welche Karrieremöglichkeiten die MINT-Fächer (Mathematik, Informatik, Naturwissenschaft und Technik) bieten. Die Stationen, die man im Inneren sieht, sind natürlich nicht zufällig gewählt. „Hier sind fünf Schritte dargestellt, die man braucht, um ein Produkt herzustellen", erklärt Marco Umstätter. Neben dem genannten Fließband und dem Robotik-Experiment gibt es zum Beispiel auch die Station „Konstruktion und Design". Dort geht es um die Visualisierung von Projektideen mit Hilfe eines echten 3D-Scanners. Einen Schritt weiter können die Schüler mit Hilfe eines 3D-Druckers einen Schlüsselanhänger herstel-len. Auch das Thema „Virtual Reality" ist im Truck vertreten. Die Schüler können sich eine VR-Brille aufsetzen und in einer virtuellen Umgebung Bauteile an einen Motor montieren.
Da die Stationen oft nur von einer Person genutzt werden können, befinden sich im Truck außerdem noch ein paar kleinere Zwischenwände mit weiteren AR-Anwendungen oder Knobelspielen. Für die 8. Klassen der JRS sind die Workshops ein echtes Highlight. Nach der Einführung in das Basismodell dürfen sich die Schüler an ein eigenes Projekt setzen. Die Kids werden in Gruppen aufgeteilt und sollen mit einem digitalen Programm jeweils einen Fidget Spinner designen. Marco Umstätter zeigt ihnen Schritt für Schritt, wie das funktioniert. Die beiden Coaches sind mit der Leistung der Klasse recht zufrieden. „Es gibt natürlich immer welche, die nicht ganz so interessiert sind", sagt Marco Umstätter. „Aber im Großen und Ganzen kommen die Themen gut an."
"Im Großen und Ganzen kommen die Themen gut an"
Marco Umstätter
Organisiert wurde der Besuch des Discover Industry Trucks von Sigrid Steck, die an der JRS für die Berufsorientierung zuständig ist. Da in diesem Jahr noch Kapazitäten frei waren, dürfen sogar Klassen aus der Vogt-Heß-Schule und dem Andreae-Gymnasium Workshops besuchen. „Wir haben an der JRS viele Schüler, die an den MINT-Fächern interessiert sind und das Fach Technik als Hauptfach gewählt haben", sagt Sigrid Steck. Mit Projekten wie dem Discover Industry Truck wolle die Schule aber auch diejenigen erreichen, die mit Naturwissenschaft und Technik eigentlich nicht so viel anfangen können.
Dass der Truck speziell für die 8. Klassen beordert wurde, hat ebenfalls einen Grund: In diesen Stufen beginnt nämlich das Thema Berufsorientierung. Am Ende des Schuljahres müssen die Achtklässler ein erstes Praktikum absolvieren. „Wir haben die Hoffnung, dass der Truck den Schülern ein paar Ideen für eine Praktikumsstelle liefert", verrät Sigrid Steck. Der MINT-Bereich ist nämlich unheimlich vielseitig. Und vor allem zukunftssicher. „Speziell in der Industrie gibt es viele gute Jobs und viel ungenutztes Potenzial", weiß Marco Umstätter. Das ist aber nicht der einzige Grund, warum sich ein Interesse für naturwissenschaftliche Fächer lohnt.
„Die MINT-Fächer können einem dabei helfen, die ganze Welt zugänglicher zu machen und zu erklären", sagt Katrin Graw. Außerdem befasse sich dieser Bereich mit Themen wie KI oder Robotik, an denen in Zukunft niemand vorbeikommt. „Es lohnt sich", so Graw, „sich frühzeitig damit auseinanderzusetzen."
(Artikel erschienen am 27.01.2026 im Gäubote Herrenberg. Wir danken der Redaktion des Gäubote für die freundliche Genehmigung des Nachdrucks. Siehe auch www.gaeubote.de).